Rekord bei Austritten aus der katholischen Kirche

Noch nie zuvor haben so viele Menschen in einem Jahr der katholischen Kirche den Rücken gekehrt.

Der Mitgliederverlust bei den Katholiken im Jahr 2021 beläuft sich auf 547.125. Ein Grund für den hohen Mitgliederverlust ist die Zahl der Kirchenaustritte, die auf 359.338 stieg.

Eingetreten sind nur 1.465 Menschen in die katholische Kirche.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigt sich «zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten». Sie sei Zeugnis einer «tiefgreifenden Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden», sagt er. «Die Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben, zeigen sich in der Austrittszahl als Spiegelbild». Es sei «nichts schönzureden».

«Der dramatische Erosionsprozess in der katholischen Kirche schreitet ungehemmt voran», sagt der Münsteraner Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Die Gründe für einen Austritt sind oft vielfältig. Laut Petra-Angela Ahrens, Soziologin am Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD:
Bei den ehemals Evangelischen steht die Kirchensteuer an erster Stelle und bei den vormals Katholischen ist es die Unglaubwürdigkeit der Kirche.

Für den Essener Generalvikar Klaus Pfeffer sind die Zahlen ein klares Zeichen „eines schier unaufhaltsam steigenden Vertrauensverlustes der katholischen Kirche“, den vor allem die schrecklichen Missbrauchstaten von Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitenden ausgelöst hätten. Es sei „fatal“, dass die Aufarbeitung der Verbrechen bundesweit uneinheitlich erfolge und sich über einen sehr langen Zeitraum hinziehe.

Hinzu komme, dass es innerhalb der deutschen Kirche höchst unterschiedliche Auffassungen darüber gebe, welche Konsequenzen aus den Erkenntnissen der verschiedenen Untersuchungen zu ziehen sind. „Selbst unter vielen treuen Gläubigen herrscht inzwischen der Eindruck vor, dass die Kirche es nicht wirklich ernst meint mit der Aufarbeitung“, so Generalvikar Pfeffer. Das führe zu einem erheblichen innerkirchlichen „Frust“ – bis hin zu Kirchenaustritten von Menschen, „die sich bis vor kurzem niemals hätten vorstellen können, ihre Kirche zu verlassen.“ 

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