Geschichte der katholischen Kiche in Mülheim / Ruhr - Dümpten

Die Chronik beginnt mit der Überschrift: „Zur größeren Ehre Gottes!"

Die Jahre 1946 - 1958

1946

Ende Januar werden die Pläne zum Kirchenneubau bei der Baupolizei eingereicht: Abgelehnt, da zu groß. Zur Vorsicht war im Stillen ein anderer Plan ausgearbeitet worden. Das Vereinshaus war 1943 ausgebrannt. Der Saal blieb erhalten, wurde aber 1944 zum Teil Opfer eines Fliegerangriffes. Was erhalten geblieben war, wurde gestohlen. Nur noch 4 Wände standen. Ein Entwurf gestaltete diesen Raum als Notkirche und zwar so, daß der Raum eine wahrhaft sakrale Wirkung hat, dabei, wenn einmal der Neubau der Pfarrkirche Wirklichkeit würde, der Raum ohne weitere bauliche Veränderung als Saal in Benutzung genommen werden könnte. Nach einer Vorsprache bei dem Vertreter der englischen Millitärbehörde wurde die Bauerlaubnis erteilt Ende April beginnen die Aufräumungsarbeiten. Die Gemeinde steht mit ganzem Ernst hinter unserem Vorhaben. Alle Nebenarbeiten werden von den Männern und Jungmännern geleistet. Die Gemeinde baut sich ihr Gotteshaus. Die
Maurerarbeiten werden von der Firma Johann Lauterbach ausgeführt. Selbst Pfarrangehöriger, geht er mit ganzem Eifer an die Arbeit. Die Betonarbeiten übernimmt die Firma Meyer Oberhausen. Die Dachkonstruktion liefert Merz und Hecker Essen-Werden. Die Installationsarbeiten die Firma Mersmann Frintrop. Die Holzarbeiten Frl. Maria Bachem Frintrop.

Am 29. September dürfen wir unsere Notkirche in feierlichem Gottesdienst einweihen. Der Kin• dergartenraum war auch so eng geworden, daß die Hauptmesse im Freien gefeiert werden mußte. Mit diesem Bau war verbunden der Bau des Kindergartens und des Jugendheims. Der überaus starke Winter macht zunächst allem ein Ende.

Das Anliegen des Ewigen Gebetes in diesem Jahr: gib unseren Kindern die katholische Schule! Bei der von der Militärbehörde angeordneten Elternabstimmung haben alle Eltern in Dümpten für die kath. Schule gestimmt, 100%. In keinem anderen Stadtteil ist das erreicht worden. Das Verhältnis zwischen Schule und Kirche ist äußerlich korrekt. Das alte Verhältnis aber, wie es vor der Nazizeit war, ist noch nicht wiedergefunden. Bei der Schildbergschule macht sich immer von neuem wieder ein stiller aber steter Widerstand geltend.
Anders ist es in der Vennepothschule, wo unter Leitung des Rektors Schütze der alte, gute Geist von Anfang an lebendig war.

Am 2. September tragen die Kinder die im Gottesdienst geweihten Kreuze In feierlicher Prozession zur Schule, wo sie von den Lehrpersonen in den Klassen angebracht werden. Mit Jahresbeginn wird Kaplan Morschheuser nach Heumar Bezirk Köln versetzt. An seine Stelle tritt Kaplan Jansen, bisher in Bliesheim.

Die bisherige Oberin des Elisabethstiftes wird nach Essen-Altendorf versetzt. Schwester Sylvestra vom Marienhospital in Mülheim kommt dafür im November.

Unser Kirchenchor ist durch den Krieg mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Zwar hat das Jahr 1943 einen Erfolg gezeigt: die Spaltung in Kirchenchor Gregorius und Männergesangverein Cäcilia, die fast seit Bestehen der Gemeinde einer Aufwärtsentwicklung des Chores im Wege stand, war behoben worden. Jetzt übernimmt Paul Müller die Leitung des Chores. Der Chor entwickelt sich sehr schnell.

Die materielle Not der Pfarrmitglieder wird größer. Es besteht eine überalterte Vinzenzkonferenz, die den neuen Aufgaben nicht gewachsen ist. Ende des Jahres verpflichteten sich 30 junge Frauen zur Elisabetharbelt in der Gemeinde. Hauptaufgabe ist nicht das Einholen der Beiträge, sondern die Betreuung des Bezirkes.

1947

An der Notkirche fehlen noch die Dachrinnen. Der Regen dringt immer mehr durch die Dachbinder. Weihnachtsabend ist die Kirche einem Eispalast vergleichbar.

Der noch bitteren Not in der Bevölkerung suchen die Caritasfrauen durch Spenden aus dem Ausland zu helfen.

Erfreulich ist das Aufblühen des religiösen Lebens. Der Kirchenbesuch wächst. Unsere in der alten Kirche gerettete Orgel wird mühsam wieder aufgebaut durch die Firma Fabricius, Kaiserswerth. Der Kirchenmaler Günter Reul beginnt eine Kreuzwegmosaikarbeit.

Die Kirchenbänke werden von alten Ulmenstämmen aus dem Garten des Offiziers-Kasinos in Wesel erstellt (heute auf der Orgelbühne!). Mühsam werden die Stämme von Männern der Gemeinde in Wesel verladen. Die Bänke sind nach Entwürfen der Schreinermeisterin Bachem in ihrer Werkstatt angefertigt. Aus demselben Holz sind 3 Beichtstühle von der Firma Sievers Mülheim angefertigt.

Aus praktischen Gründen wird das Elisabethstift Pastorat (Schildberg 84) und die frühere Pastorat (Barbarastraße 9) Wohnung der Schwestern.

Im März verläßt uns die Pfarrsekretärin, Schwester Sigisberta. Dafür kommt Schwester Emmelia.

Im September wird Johannes Stadermann zum 1. Kaplan ernannt. Er kommt von Wermelskirchen.

Ebenfalls im September beginnt Alois Stöppelkamp als Organist, bisher an St. Engelbert Essen.

1948

Am 7. Juni ist Einweihung des Kindergartens, nachdem die Inneneinrichtung erstellt wurde.

Zu Ostern erhält unsere Kirche einen von Fritz Bremfer Essen-West entworfenen und verfertigten neuen Osterleuchter -ein Geschenk der Vennepothschule zum Andenken an den verstorbenen Rektor Schütze.

Im August kommt das von Bildhauer Adoifs, Essen-Werden, In Llndenholz geschnitzte Kreuz ins Chor. Der Korpus ist aus einem Stamm. Es war ein Geschenk der Pfarrgemeinde zum silbernen Priesterjubiläum ihres Pastors.

Jetzt wird der Wiederaufbau der Küsterwohnung in Angriff genommen. Eine reiche Geschichte hat dieses Haus, Schildberg 46, hinter sich. In den 80er Jahren war es als Rektoratswohnung erworben. 1904 wurde es das erste Schwesternhaus, nebst Kindergarten und Nähschule. 1925 wurde es Küsterwohnung. Der Kindergarten wurde dort belassen. Im Krieg wohnte hier zeitweise eine Familie. 1944 wurde der Kindergarten zwischendurch wieder aufgemacht. Ab 1. November 1944 war dann in den Räumen Notkirche. Jetzt wird festgestellt, daß vom alten Mauerwerk nichts erhalten bleiben kann. Und vor uns steht die Währungsreform (20. Juni). So werden nur einige Räume hergerichtet.

Im laufe des Jahres wird die Deutsche Jugendkraft wieder gegründet, die durch den Nationalsozialismus aufgelöst war.

Im Mai geht Schwester Emmelia zum Franziskushaus. Dafür kommt Schwester Slglsberta zurück.

Zur Krankenschwester Jolanda (bereist 20 Jahre hier) kommt als zweite in den großen Bezirk Schwester Clementla.

1949

Unser Mütterverein stiftet neue Kirchenfenster für die Notkirche im Saal.

Ein neues Diözesangesangbuch wird eingeführt. Durch eine wohlüberlegte und gut organisierte Spartätigkeit war es möglich, zu Weihnachten dies Buch im Gottesdienst zu gebrauchen.

Zu Beginn dieses Jahres wird der 2. Kaplan Jansen als Religionslehrer versetzt. Es kommt kein Ersatz. Er bleibt als Subsidiar.

Schwester Sigisberta geht auf eigenen Wunsch ins Mutterhaus. An ihre Stelle tritt Schwester Eucharls.

Im September schickt das Mutterhaus als Pfarrsekretärin und als künftige Sakristanin Schwester Korduline.

1950

Im April kommt als Subsidiar für Kaplan Jansen der Religionslehrer Heinrich Schneider, bisher Kaplan in Lennep.

Im Mai wird Schwester Korduline nach Altenessen versetzt. Auch Schwester Eucharis verläßt uns. Für sie kommt Schwester Birgitta.

Im August als Pfarrsekretärin und künftige Sakristanin Schwester Scholastika, sie stirbt am 5. Dezember 1950

Unser bisheriger Küster-Organist Hermann Richtsteig wird pensioniert.

1951

Der Pfarrer von St. Barbara wird mit der Einrichtung eines Rektorats beauftragt (aus Gebieten von St. Barbara, St. Engelbert, St. Josef, Heißen)

Am 20, Januar 1951 übernimmt Schwester Thekla Pfarrbüro und Sakristei.

In Juni wird Kaplan Stadermann zum Rektor der neuen Rektoratsgemeinde St. Elisabeth Mülheim-Saarn ernannt. Sein Nachfolger wurde Kaplan Franz Freistedt, bisher Kaplan in St. Marien, Bonn.

1952

Wegen des Kirchenneubaues – Bericht ans Generalvikariat über die Situation: Enge der Notkirche und zunehmende Bautätigkeit in Dümpten.

Am 23. März 1952 Aktivierung des Kirchbauvereins (über 50 Männer und Frauen übernehmen die Sammelarbeit). Rundschreiben an die Pfarrangehörigen. Ortsbesichtigung mit dem Diözesanbaumeister. Auftrag an Architekt Leitl, Trier, zur Herstellung der ersten Pläne.

Wie die Chronik beweist, haben sich bei allen größeren Unternehmungen Schwierigkeiten eingestellt, so auch diesmal. Im Juni erheben einige Pfarrmitglieder Einspruch gegen die Wahl des Bauplatzes (der Platz war schon 1906-1908 für die neue Pfarrkirche vorgesehen). Während des Urlaubs des Pfarrers wurden in Oberdümpten über 800 Unterschriften gesammelt, die sich gegen den beabsichtigten Bauplatz wandten (am Fuß des Schildberges). Hierzu wurde eine Eingabe an das Generalvikariat gemacht. Hierauf fand u. a. eine Kirchenvostandssitzung statt, die nach Anweisung des G.V. vom Dechanten Heinrichsbauer geleitet wurde.

Am 4. Dezember fiel dann die Entscheidung durch den Generalvikar Teusch für den vorgesehenen Platz, das 1906 erworbene Grundstück am Fuß des Hügels. Der KV. genehmigte die Pläne des Architekten und legte sie der Behörde vor.

Am 20. April verstarb Pfarrer Hoberg in Antweiler bei Euskirchen (früher Kaplan in Dümpten).

Im Juni verließ der Subsidiar Schneider St. Barbara und wechselte nach St.Engelbert (wegen seines weiten Weges zur Berufsschule).

Im Oktober bezog dessen Wohnung der Pfarrer i. R. Sylvester Bacla, Priester der Erzdiözese Breslau

1953

Am 5. Juli 1953 erhielt der KV. die schriftliche Bauerlaubnis für die neue Kirche.

In den ersten Monaten des Jahres versuchten Pfarrmitglieder, die Gegner des Bauplatzes waren, die Pfarre St. Michael Oberhausen für den Vennepoth zu interessieren. Nochmals wandte man sich nach Köln und erhielt einen Empfang beim Kardinal. Am 4. Oktober sollte der erste Spatenstich getan werden, da traf am Freitag vorher gegen Abend telefonisch durch den Generalvikar ein Baustopp ein mit der Begründung, erst müsse Klarheit über den Oberhausener Teil der Pfarre geschaffen werden.

Jetzt wurde von den Befürwortern des vorgesehenen Bauplatzes eine Unterschrittensammlung durchgeführt, die im Oberhausener Teil restlos unterzeichnet wurde. Nach weiteren Besprechungen fällte der Kardinal die Entscheidung, daß die Kirche nun endgültig am Fuße des Berges zu errichten sei.

Am 26. Oktober begann dann in aller Stille der Bau der neuen Pfarrkirche.

Am 8. November verläßt Kaplan Freistedt unsere Gemeinde, um seine neue Stelle als Rektoratspfarrer in St. Joseph Delhoven, Dekanat Zons, anzutreten.

1954

Am 9. Mai wurde in einer erhebenden Feier der Grundstein zur neuen Kirche gelegt.

Anfang Oktober zog unsere Bücherei um in die beiden vorderen Räume der Kaplanei.

6. Januar begann Kaplan Daniels, bisher Kaplan in Rommerskirchen, seine Tätigkeit.

Im Juni wurde die Oberin, Schwester Sylvestra, versetzt. Ihr folgte Schwester Elvlra.

1955

Sonntag Laetare, 20. März, ist Kirchenkonsekratlon.

Drei Glocken vom Bochumer Verein waren vorgesehen. Da für unseren offenen Turm Stahlglocken nicht tragbar schienen, mußte mit der Anschaffung noch gewartet werden. Der Goldschmiedemeister Schwerdt aus Aachen erstellte ein Altarkreuz, zugleich Vortragekreuz. Das Altarkreuz in der Taufkapelle wurde von den Eheleuten Rasche in Mülheim angefertigt. Mit der Ausarbeitung der Pläne für die abzupfarrende „Christ-König-Kirche” wurde der Architekt Ludger Kösters beauftragt. Die Pfarre soll von den Palottinerpatres übernommen werden.

Im Oktober wurde Pater Franz Bezler zum Vicarius expositus in St. Barbara für Christ König ernannt. Aus Gesundheitsgründen verläßt Kaplan Daniels St. Barbara. Nachfolger: Kaplan Winterseheid Paul, gebürtig aus Essen, Neupriester.

Ostern wird Herr Altmeier, wohnhaft in Mülheim-Broich, Lehrer an der Schule Oberhausener Straße, Rektor der Schildbergschule. Lehrerin Frl. Schmitz, Paula, von der Vennepothschule tritt in den Ruhestand.

1956

Am 10. März 1956 Weihe der neuen Glocken, 4 aus Bronze, Firma Mabilon u. Co., Saarburg b. Trier, Läutewerk von Diegner u. Schade, Dorsten i. W.

Im Laufe des Jahres Konsekration der neuen Christ-König-Kirche und Errichtung der selbständigen Kirchengemeinde.

Am 24. Oktober wird Pfarrer Pörtner zum Dechanten des Stadtdekanates Mülheim ernannt.

1957

Seit dem vergangenen Jahr steht St. Barbara im Zeichen des äußeren Wachsens.

Die Gutehoffnungshütte errichtete 626 Wohnungen „auf dem Bruch”. Über 60% davon sind katholisch. Weitere 700 Wohnungen sind angekündigt. Nun werden Kindergarten und Jugendheim zu klein. Die neuzugezogenen Familien werden besucht und es wird eine religiöse Woche gehalten.

Am 10. November begann im Dekanat Visitation und Firmung durch Kardinal Frings hier genannt, weil es in der Chronik heißt: „Seit 25 Jahren visitiert zum ersten Mal ein residierender Bischof unser Dekanat. 1922 war es der verstorbene Vorgänger Kardinal Schulte. Der Kardinal betonte immer wieder, wie sehr es ihn doch bewege, gerade diesen Teil der Diözese an das neue Ruhrbistum abzutreten

1958

Gründung des neuen Bistums Essen.  Erster Ruhrbischot: der Weihbischof Dr.Franz Hengsbach von Paderborn. Das Bistum setzt sich aus Teilen der Bistümer Köln, Paderborn und Münster zusammen.

Im März 1958 wird der erste Spatenstich für den neuen Kindergarten getan.